Mittwoch, 5. Oktober 2011

E-Gitarre ESP LTD H-351 NT

Ich überlege gerade, wer hat noch mal damit angefangen? Ich glaube, es war Fender vor ca. 40 Jahren mit der Schwesterfirma Squier „Made By Fender“... Womit angefangen? Nun, ich bin wieder einmal kurz in die Zeitmaschine gehüpft und habe überlegt, wer die Fertigung in asiatischen Gefilden unter Zuhilfenahme der überregional bekannten Firmen-eigenen Trademarks letztendlich etabliert hat.

Ob es nun um Squier made by Fender, Epiphone made by Gibson oder wie in diesem Fall LTD made by ESP handelt, das Prinzip ist allemal recht ähnlich. Man nimmt den hauseignen Backkatalog, spart durch ausländische Fertigung und kostenintensive Details einen Großteil an Herstellungskosten ein und präsentiert dem Endkunden ein wertiges Instrument, welches in Sachen Abgabepreis bei einigen Kunden zunächst einen skeptischen Blick auf das Gesicht zaubert.

Konnte man früher spätestens auf den zweiten Blick die Sparmaßnahmen am Instrument ausmachen, so wird dies einem heutzutage um Einiges erschwert. Die optisch eher trist dreinschauenden Kopien des „Originals aus Amiland“ von damals sind Geschichte, insbesondere wenn man die zum Test vorliegende LTD H 351 NT erstmals aus der Hülle/Tasche/Koffer nimmt.



Konstruktion

Man wird den Eindruck nicht los, als ob LTD es den ewigen Zweiflern in Sachen Optik mal richtig zeigen wollte, setzt das in China gefertigte Instrument doch mit einer ganzen Reihe von Schmuckwerk eindeutig auf hohen Wiedererkennungswert, wie man ihn sonst nur von Instrumenten jenseits der 2.000,- Euro-Marke her kennt. Stilistisch liegt das Instrument eindeutig im mittlerweile wieder erstarkten Markt der "Powerstrats", will heißen: ein Body-Shaping im breiten Streuradius der Stratocaster, allerdings mit stark aufgemotzer Hardware und Pickup-Bestückung.

Korpus-technisch liebäugelt die Konstruktion in Sachen Holz und Hardware eindeutig mit dem klassischen Les Paul-Konzept. Mahagoni-Korpus zuzüglich Ahorndecke und fester Brücke sprechen eine klare Sprache, wobei ein wirklich extrem leichtes Mahagoniholz verwendet wurde. Selten habe ich eine solch leichte Gitarre bei dieser Holzauswahl in meinen Händen gehalten, die Dichte des verwendeten Holzes muss eher moderat ausgeführt sein. Die Brücke sitzt in zwei Führungshülsen aus Metall, ist demnach nicht direkt ins Holz eingelassen.


In Sachen Hals kommt dann eher der Konterpart auf Ahorn-Basis mit Palisander-Griffbrett (24 Bünde) in eingeleimter Form zum Tragen, Form-technisch als kräftig rundes „D“ ausgeführt. Um ein Maximum an Sustain aus der Konstruktion heraus zu holen, werden die Saiten durch den Korpus geführt und mit den Ballends auf der Rückseite des Bodys verankert. Als Tonabnehmer kommt die allseits beliebte EMG Kombination 81/85 (Bridge/Neck) zum Einsatz, welche sich schon als Standardbestückung im Heavy-Bereich etabliert hat. Die Stromversorgung erfolgt über einen 9V-Block, welcher in einer eigenen Aussparung mit direktem Zugang auf der Rückseite des Instrumentes angebracht wurde. Geschaltet werden beide Pickups über einen Dreiweg-Schalter.



Geshapt wird bei diesem Instrument erwartungsgemäß wie die wilde Wutz, seien es die abgerundeten Deckenführung, die Bierbauchfräsung auf der Rückseite oder aber die unteren Cutaway-Fräsungen - wo immer es geht, wird den menschlichen Körperteilen so wenig wie möglich an hölzernem Wiederstand entgegen gesetzt. Selbst die Poti-Knöpfe wurden dezent in der Decke versenkt. Auffällig ist auch die komplette Abalone-Einfassung des gesamten Bodys, des Griffbretts und selbst der Kopfplatte. Man sieht: viel optischer Aufwand, alles handwerklich einwandfrei und sauber ausgeführt.
Wie stark die Firma ESP in den Produktionsablauf bei LTD eingebunden ist, sieht man schon am ESP-Aufkleber an der Holzverstärkung des Holzes zur Kopfplatte hin und an der Tatsache, dass die verwendeten Tuner direkt von ESP stammen. Letztendlich wurde das gesamte Shaping von der ESP Horizon 1:1 übernommen. Farblich hat LTD ein transparentes Schwarz aufgetragen, welches die Maserung des Holzes dezent durchscheinen lässt.



Praxis

Schon auf den ersten Griff fühlt sich das Instrument sehr vertraut an, zumindest wenn man  schon mal eine Powerstrat in seinen Händen gehalten hat. Der Hals ist schön griffig, optimal ausbalanciert zwischen der nötigen Masse für einen anständigen Griff und der angemessenen Schlankheit für entsprechende Griffbrettakrobatik. Auch der Korpus spielt seine Vorteile durch das geschmackvolle Shaping voll aus und schmiegt sich angenehm an den Körper.

Trotz des sehr leichten Holzes verfügt das Instrument aufgrund der Gesamtkonstruktion über ein gutes Sustain. Kein Ton stirbt ab, und auch die Bespielbarkeit gestaltet sich bis hinaus in den 24. Bund über alle Zweifel erhaben. Kräftiges Rhythmus-Spiel verkraftet die H-351 dabei genauso wie filigranes Solospiel, welches aufgrund der erwartungsgemäßen Jumbo-Frets leicht und locker von der Hand geht.


Schon im trockenen Modus erkennt man die gesunde Konstruktion des Instrumentes. Der Ton spricht schnell an, wirkt perkussiv und fügt sich geschmackvoll in ein klanglich passendes Gesamtbild. Schaltet man den Verstärker dazu, erklingt genau der Sound, den man aufgrund der Komponenten erwarten konnte. Clean gespielt perlen die Höhen schön dezent und wohl definiert aus dem Lautsprecher, eben so wie man es von EMG-Tonabnehmern her gewöhnt ist. Kristallklar mit hoher Durchsetzungskraft und frei von jeder Art Vintage-Sound!

Das Hauptbetätigungsfeld dieses Instrumentes wird allerdings zweifelsfrei die Distortion-Abteilung werden. Angefangen bei dezentem Crunch bis hinauf zu Extrem-High-Gain, sämtliche Sounds aus dieser Liga werden von der LTD problemlos wiedergegeben. Bei entsprechender Handhabung gestalten sich die "Artifical Harmonics" sehr leicht in der Wiedergabe, das Obertonverhalten ist aggressiv und dennoch angemessen, ohne in kratzigen Höhen zu "ersaufen".


Fazit


„You get what you see“ wäre ein passender Slogan für die LTD H 351 NT. Optik, Erscheinungsbild und Klang bilden eine gesunde Fusion aller Merkmale, welche eine echte "Powerstrat" ausmachen. Aufgrund der chinesischen Fertigung erhält man Detail-Spezifikationen, welche sonst nur in höheren Preisregionen zu finden sind, einhergehend mit guter Verarbeitung und Liebe zum Detail. Für einen Straßenpreis unter 700,- Euro erhält man ein gutes Arbeitsgerät, welches durch geschmackvolles Pimpen auch optisch die Augen des Zuschauers zu verwöhnen weiß.

Erhältlich ist die Gitarre auch mit durchgehendem Hals und einem Floyd Rose-Vibratosystem für den ambitionierten Dive-Bomb-User. Ein sehr ordentliches Instrument, was seinen Kundenkreis finden dürfte!


Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Pickups

Minus

  • -

Preis

UVP: 808,- Euro
Straßenpreis: ca. 675,- Euro

Musikhaus Thomann Produktseite

Original Amazona Artikel


1 Kommentar:

Rockchic hat gesagt…

Hallo Axel,
tolle Sache dein Blog!!! Tolle bands und klasse, das du auch vegetarier bist! <3 \m/

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